Pfandrechte der Möbelspediteure und Lagerhalter

Der Auftraggeber ist jetzt weit weg in einem völlig neuen Lebensumfeld. Der Kontakt zum Spediteur oder Lagerhalter reißt ab. Dann tritt bisweilen der Faktor " Aus den Augen- aus dem Sinn" ein. Andere Ausgaben werden wichtiger. Der Spediteur wird schon warten. Die Zahlung der Lagerrechnung wird aufgeschoben. Mitunter werden Auftraggeber zahlungsunfähig oder sind zahlungsunwillig.

Spediteure und Lagerhalter vertreten dann manchmal die Auffassung, dass die bei Ihnen eingelagerte von geringem Wert sei. Um eine rechtssichere Beräumung ihres Lagers zu erreichen erwarten sie vom Versteigerer eine pro-forma Verwertung zum Billigtarif um eine kostenoptimierte Beräumung durchführen zu können.

Auf ein solches Ansinnen kann der seriös arbeitende, öffentlich bestellte, vereidigte Versteigerer nicht eingehen. Er ist auf sein Unabhängigkeit im Verfahren vereidigt und hat Sorge dafür das auch die Eigentumsrechte des Schuldners im Verwertungsverfahren gewahrt werden. Die materielle Bewertung der zur Versteigerung anstehenden Sachen ist nicht Aufgabe des Pfandnehmers. Der Wert wird ausschließlich im Wege der öffentlichen Versteigerung festgestellt.

Als guter Kaufmann sollte der Lagerhalter, sämtliche Kosten die im Zusammenhang mit Lagerverträgen auf ihn zukommen können, bei der Kalkulation seiner Lagermiete berücksichtigen. Dazu zählt im besonderen der Risikofaktor Zahlungsausfall. Professionell arbeitende Lagerhalter kalkulieren diesen Faktor ein. Wenn sich der daraus ergebenden Lagerpreis am Markt nicht realisieren lässt, sollte vom Abschluss eines Lagervertrages Abstand genommen werden. Zumindest sollte vom Einlagerer ein Kaution verlangt werden, welche die Kosten einer eventuellen Verwertung deckt.

Im Einzelfall warten Lagerhalter oft sehr lange zu ehe Sie die Verwertung in die Wege leiten. Hierbei ist zu bedenken, dass viele Gegenstände, wie z. B. Unterhaltungselektronik, laufend an Wert verlieren.

Etliche Möbelspediteure lagern ein ohne zunächst das Lagergut zu erfassen.

Um eine Pfandrechtsverwertung erfolgreich durchführen zu können ist es hilfreich, wenn der Lagerhalter immer vor Einlagerung eine aussagekräftige und detaillierte Lagerliste erstellt, auf die im Verwertungsfall Bezug genommen werden kann. Für werthaltige Gegenstände sollte im eigenen Interesse auf dem Abschluss einer Lagerversicherung bestanden werden. Insbesondere eine Fotodokumentation ist hilfreich und trägt im Verwertungsfall dazu bei Kaufinteressenten zu generieren. Dies sollte ohnehin aus versicherungsrechtlichen Gründen erfolgen.

Weiterhin sollte der Lagerhalter vor Einlagerung kontrollieren, dass sich keine Lebensmittel im Lagergut befinden. Man muss es leider erwähnen, aber mitunter findet man bei Öffnung der Lagerboxen durch Lebensmittel angelockte Ratten und anderes Ungeziefer vor. Dermaßen kontaminiertes Lagergut kann nur noch entsorgt werden. Der Lagerhalter ist dann gegenüber dem Auftraggeber schadensersatzpflichtig.

Nachvollziehbar, dass für Menschen manche Sachen von emotioneller Bedeutung sind. Die Wertvorstellungen der Auftraggeber über die von ihm z. B. eingelagerten Möbel, "Kunstwerke", Teppiche und Hausrat entsprechen häufig nicht den Realitäten am Markt.

Oft steht auch der Wert der eingelagerten Objekten in keinen Verhältnis zu den im Laufe der Zeit anfallenden Lagerkosten. Mitunter wäre ein Verschenken oder Entsorgen für den Einlagerer günstiger, als die im Laufe der Zeit anfallenden Lagerkosten. Der guten Fairness halber sollte der verantwortungsvoll handelnde Möbelspediteur seine Kunden vor Abschluß des Lagervertrages auf diese Tatsache hinweisen.

So ließen sich am Ende des Tages die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Verwertung gemäß § 1235 BGB vermeiden.

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